REISEBRERICHT 2
 

Letzten Herbst telefonierte ich mit einer Bekannten die mir erzählte das sie im Dezember nach Andujar fliegen wird um in der Perrera zu helfen. Spontan fragte ich sie ob ich vielleicht mit könnte. Nach einer kurzen Absprache mit den Nuria stand fest, ich fliege nach Spanien. Heute bin ich ganz froh das ich keine Ahnung hatte was mich da erwarten würde. Blauäugig stieg ich in den Flieg und flog direkt nach Malaga. Von da aus fuhren wir mit einem Mietwaagen drei Stunden nach Andujar. Nuria und ihr Team stelle uns eine Wohnung zur verfügung. Mitten im kleinen Herzen von Andujar. Hier blieben wir jedoch nicht lang, denn nachdem wir unser Gepäck abgelegt hatten, wurden wir auch schon abgeholt und fuhren in die Perrera. Der Hinweg alleine war schon ein Abenteuer. Die „Strasse“ bzw. das Wegchen das zur Perrera führt ist absolut nicht der Rede wert. Das wir da mit dem Auto lang fahren konnten fand ich ein Wunder. Vor dem Refugio hörten wir sie schon. Die Hunde bellten, jaulten und heulten. Dieser unbeschreibliche Geruch kam uns schon durch die geschlossene Stahltür entgegen. Jeder der einen Hund aus Andujar hat weiß wie es VOR der Tür riecht. In dem Moment wo Nuria die Türe öffnete kamen uns die ersten Hunde entgegen. Viele sprangen an uns hoch, schleckten uns ab. Einige hatten Angst und versuchten nicht aufzufallen. Es war ein Meer von Eindrücken das in diesem ersten Moment auf mich einprasste. Nuria zeigte uns die Zwinger und erklärte uns welche Hunde zu ihren sicher gehören, welche anderen Organisationen gehören, und welche auf den Tod bzw. auf ihre Rettung warten. In dem Moment viel ein Stein auf mein Herz der erstmal schwer dort liegen blieb. In einem Zwinger war eine trächtige Hündin. Nuria erzählte uns das sie zu einer anderen Organisation gehöre die die Hunde nicht kastrieren wolle. Sie boten der Orga schon öfters an die Hunde auf ihre kosten kastrieren zu lassen, doch die Orga will das nicht. Die Hunde leben in diesem Zwinger. Wahrscheinlich für immer.

In einem anderen Zwinger war eine Mutter mit ihren Welpen. Dieser Anblick ging mir besonders nah. Die Hündin war so lieb, so dünn, so fürsorglich. Mir kamen die Tränen. Sicher nicht zum letzten mal in dieser Woche.

Ab dem zweiten Tag waren wir jeden Tag in der Perrera. Gegen mittags wurden wir immer von den zwei Helfern die an diesem Tag „Dienst“ hatten abgeholt und mit ins Refugio genommen. Um ca. ein Uhr waren wir immer da. Vorher konnten wir nicht hin, da man vermeiden will den Angestellten der Stadt über den Weg zu laufen. Auf deren Gunst sind die Helfer angewiesen, und wenn man sich nicht sieht, kann man sich auch nicht in die Haare bekommen. Wir hatten jeden Tag ca. fünf bis sechs Stunden Zeit um alle Zwinger sauber zu machen, die Hunde mit Futter und Wasser zu versorgen, neu Hunde aufzunehmen, karnke zu versorgen, Medikamente zu verabreichen und evtl. Notfälle einzusammeln um anschließend mit ihnen zum Arzt zu fahren. Da es kein Strom im Refugio gibt, muss das alles vor Einbruch der Dunkelheit geschehen sein.

Die schönste und zugleich schlimmste Zeit für mich war die Zeit, in der die Hunde in den Auslauf durften. Es war so schön zu sehen wie sie spielten oder einfach nur um Aufmerksamkeit baten. Auch wenn es belastend sein kann von fünfzehn Hunden gleichzeitig angesprungen zu werde, war es doch immer wieder schön zu sehen das man den Hunden etwas geben kann. Man bekommt dafür soviel zurück!

Ich möchte hier ganz ehrlich zu ihnen sein. Wer nicht durch ein deutsches Tierheim gehen kann, ohne das ihm die Tiere alle so leid tun, der sollte nicht im Refugio helfen. Es ist schön so viele Hunde um sich zu haben und für eine Hundefreund sicher das grösste, doch jeder Hund erzählt seine Geschichte, und die können ganzschön grausam sein.

Welpen die über die Mauer geworfen werden, Hunde die misshandelt werden, denen Ohren und Schwanz abgeschnitten und mit dem Feuerzeug angesenkt worden, Hunde die mit gebrochenen Beinen weiter Jagen mussten, Hunde die einfach keiner mehr wollte, Hunde die getreten, geschlagen und verjagt worden. Ob alt ob jung, ob gesund oder krank, alle sie sind die Engel von Andujar. Sie haben etwas besseres verdient, doch bis dahin ist die Perrera ihr zu Hause. Ein zu Hause das stinkt, das dreckig ist,. Ein zu Hause mit Gittern und kalten Böden auf denen sie evtl. erfrieren. Ein zu Hause ohne viel Zuneigung. Doch wissen sie was,

 

                 es ist das beste zu Hause das sie bisher jemals hatten!

 

Andujar war für mich eine Grenzerfahrung, doch eine Grenzerfahrung die ich nicht missen möchte!

Anja M., München