REISEBERICHT 1

„Ein Bericht über die Hunde in Andujar und ihre wunderbaren Menschen“

 

Als ich nachts um kurz nach 23.00 Uhr mit dem letzten Bus in Andujar eintraf, wurde ich bereits Nuria und Angelica und einem kleinen Vierbeiner namens Nena erwartet. Herzlich, wie es in Spanien üblich ist, wurde ich begrüßt und in die Wohnung geführt, die sie für mich organisiert hatten. Für alles war gesorgt und auch der nächste Tag war schon geplant.

Am Vormittag führte mich Nuria durch Andujar in dem, Zitat: „todo está muy cerca“ (=in dem alles sehr nah ist).J Zugleich traf man auch viele andere freiwillige Mitarbeiterinnen, die mich kennenlernen wollten. Und so wurde ich „weitergereicht“ zu Ana und ihrem Mann Ricardo, die mich mit einem 3 Gänge Mittagsmenü verwöhnten. Es wurde nur Spanisch gesprochen und Gottseidank hatte ich einige Kenntnisse, so dass man sich „mas o menos“ verständigen konnte. Es war eine solch herzige Atmosphäre, wie man sie sonst nur von der Familie oder guten Freunden gewohnt ist. Nuria brachte mir noch alte Sachen für die Arbeit im Tierheim vorbei, bevor Marga mich dann abholte. Sie ist bereits seit 10 Jahren dabei und kennt jeden der ca. 70 Hunde bei ihren Namen.

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Den ersten Eindruck habe ich wie im Schockzustand erlebt. Als wir die Perrera betraten, begannen alle Hunde laut in ihren Zwingern zu bellen und einige sprangen wie wild gegen die Gatter. Als erstes begrüßten uns Nora und Plata, die sehr gut hören und frei rumlaufen durften, während die Zwinger gereinigt wurden. Nora ist erfreulicherweise mittlerweile auch vermittelt. Viel Glück meine Kleine!

tierheim (5).JPGDann öffneten Marga und eine andere Mitarbeiterin die Gatter der hinteren Zwinger (Mehrgehege) und auf einem Schlag kamen einem ein ganzes Hunderudel entgegen, die an einem hochsprangen, bellten, jaulten, rannten und spielten. Ich bin mit Hunden aufgewachsen und habe deshalb keinerlei Angst, doch selbst mir war am Anfang etwas komisch bei sovielen fremden Hunden auf einmal. Aber anders als erwartet, war keiner von ihnen aggressiv, bissig oder verschreckt. Im Gegenteil!, allesamt machten einen sehr guten Eindruck. Diese Gedanken stellten sich bei mir jedoch erst sehr viel später ein. In diesem Moment blieb mir nämlich nicht die Zeit darüber nachzudenken. Es hieß: anpacken! Bewaffnet mit Spachtel, Besen, Schippe und Schubkarre machten wir uns an die Arbeit. Die Sonne brannte und es stank natürlich, aber mit der Zeit gewöhnte man sich dran und schließlich ging es ja auch um das Wohlergehen der Hunde. Anschließend spülten wir mit dem Wasserschlauch den letzten Schmutz weg und füllten die Wassertröge mit frischem Wasser auf.

 

 

 

 

 

 

Vor der Futterverteilung haben wir die Hunde mit eben diesem wieder in ihre Gehege gelockt. Die waren natürlich ganz verrückt nach dem Futter, sind aber auch an den Ablauf gewöhnt und bereitwillig gefolgt.

Dann ging es an die Paarzwinger. Derselbe Ablauf. Anschließend bekamen die Hunde, die es benötigten, ihre Medizin. Dann widmeten wir uns den Kleinsten, dem Welpenzwinger. Ich war entsetzt wie viele es waren, manche von ihnen noch so klein, dass sie in meine Hand passten und gleichzeitig war ich so gerührt, wie niedlich und zutraulich sie waren. Tapsig und verspielt kamen sie auf mich zu und folgten mir mehr oder weniger freiwillig in einen Raum. tierheim (19).JPG tierheim (10).JPG Dort sollte ich die Welpen im Auge behalten und die besonders hilfsbedürftigen und schwachen mit der Hand füttern, während die andern das Welpengehege ganz besonders gründlich sauber machten. (die Kleinen haben natürlich noch nicht so ein gutes Immunsystem, wie die Erwachsenen, deshalb ist es bei ihnen umso wichtiger). Es war gar nicht so leicht die quirlige Bande von Welpen unterschiedlichster Rasse und Größe im Auge zu behalten. Es war ein schönes Erlebnis bei den meisten soviel Lebenskraft zu sehen, aber es war auch traurig, weil einige nichts essen wollten und krank aussahen. Diese haben wir direkt aussortiert, um sie später auf unseren Rückweg beim Tierarzt vorbei zu bringen. Die anderen haben wir zurück ins Gehege gebracht.

Nach mehr als 4 Stunden Arbeit hatten wir ca. die Hälfte geschafft. Die anderen wurden am nächsten Tag von einem anderen Team gemacht. Die Einteilung, WER-WANN-WAS macht ist genausten organisiert. Man wechselt sich ab und trotzdem ist jeder von ihnen mindestens 3-mal die Woche draußen, da einfach nicht genug Helfer da sind.

Ich habe gesagt, wie bewundernswert ich das finde und sie gefragt, wie sie das jedes mal schafft, aber Marga hat nur geantwortet: „Wenn wir es nicht tun, wer dann? Dann sterben die Hunde“. Das hat mich wirklich beeindruckt. Mi corazon („mein Herz“) tat nach diesem ersten Tag ganz schön weh, aber es tat auch gut helfen zu können.

Wir haben die drei Welpen dann noch zum Tierarzt gebracht. Der einzige in der Gegend, der sich diesen Hunden annimmt. Viel Arbeit, die nicht zu bewältigen ist und natürlich auch mit hohen Kosten verbunden ist.

Danach bin ich erstmal zu Angelines und Angelica duschen, weil meine Wohnung kein warmes Wasser hatte. Angelines ist die Mutter von Angelica und auch schon so lange dabei, wie Marga. Sie ist eine herzenzgute Seele und gibt ihr letztes Hemd für die Tiere. Dort wurde ich wieder mit Abendessen versorgt und mit viel Herzlichkeit und Offenheit umsorgt. Damit ging ein langer und anstrengender, aber auch interessanter und schöner Tag zu Ende.

Meine Zeit in Andujar war begrenzt, aber ich habe mir fest vorgenommen, wieder zu kommen und ich habe versprochen in Deutschland für noch mehr Aufklärung und Mithilfe zu sorgen, was ich mit diesem Bericht versuche.  

tierheim (7).JPG Am letzten Tag war ich mit Angelines draußen. Sie ist schon über 50 Jahre alt und die körperlichen Arbeiten strengen sie an, aber sie verrichtet sie mit solch einer Kraft und mit solch einer Selbstverständlichkeit, die nur von ganzem Herzen kommen kann. Es tat weh Abschied von den Hunden, besonders von den Kleinen, zu nehmen. Am liebsten hätte ich sie alle mitgenommen. Aber der Abschied fiel auch von „neugewonnenen Freunden“ schwer, die Menschen, die hinter der ganzen Sache stehen und sich Tag für   Tag aufopfern, sollte man nicht vergessen.

 

 

tierheim (16).JPGWie auf der Webpage erkennbar, wird auch gerade ein neues, viel größeres Tierheim in Andujar gebaut, welches die Arbeit und die Versorgung ungemein erleichtern wird. Hoffentlich ist es bald fertig gestellt, damit es Tier und Mensch besser geht.  

 

 

 

 

Viele fragen mich, warum ich mich so für das Elend der spanischen Hunde interessiere, wir haben ja schließlich in Deutschland genug. Auch hier sind die Tierheime überfüllt. Ich antworte dann immer, dass ich das ebenso schlimm finde, aber das es, so hart es auch klingen mag, den Hunden in unseren deutschen Tierheimen zumindest etwas besser geht. Auch sie suchen ein neues Zuhause und haben es auch genauso verdient, aber den Hunden aus dem Süden geht es meist zusätzlich auch körperlich noch sehr schlecht, weil die notwendige Versorgung fehlt.

Man wird nie allen helfen können, aber man kann versuchen einen kleinen Teil dazu beizutragen. Eine Chance für Andujar und allen anderen Hunden auf der ganzen Welt!

 

 

Katja B. aus Berlin